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Pater Anselm Grün: "Das Reich Gottes in uns und unter uns"

(07.06.2014) Die Hitze flimmerte an diesem Nachmittag. Während draußen das Gras brutzelte, war es noch angenehm kühl in der Olympiahalle. Das Rund war komplett gefüllt. Interessiert und gespannt schien man auf den nächsten  Vortrag um 16.45 Uhr zu warten: "Das Reich Gottes in uns und unter uns".

Als Sprecher war ein bekannter Benediktinermönch, der mit seinen christlichen Vorträgen und Büchern die Herzen von Menschen unterschiedlichster Herkunft und Lebenssituationen zu erreichen vermag, geladen: Pater Anselm Grün. Er wurde von Bezirksapostel Michael Ehrich, Präsident der Neuapostolischen Kirche Süddeutschland, willkommen geheißen.

Der prominente Gast begann sein Referat mit einer Anrede, die alle Gläubigen verbindet: Brüder und Schwestern.

Er führte aus, dass man den Vortrag über das Reich Gottes als schönes Zeichen von Ökumene sehen könne. Es gehe nicht darum, wer Recht habe, sondern um den gemeinsamen Versuch, die Worte Jesu zu verstehen. Der Gedanke vom Reich Gottes könne unter verschiedenen Aspekten betrachtet werden. Dieses Reich sei kein äußerlich lokalisierbarer Ort, sondern befinde sich mitten unter den Menschen.

Zunächst erläuterte der Theologe, dass es verschiedene Deutungen gebe: eine mystische, eine ethische und kirchliche Deutung des Begriffes.

In der mystischen Deutung gehe es darum, dass sich der Mensch lösen müsse von Leidenschaften und Begierden. Wo Gott herrsche, sei der Mensch wahrhaft frei. Dazu gehöre, dass man nicht ständig darauf achte, welchen Eindruck man erwecke. Es gelte vielmehr, bei sich selbst zu sein und somit in der inneren Mitte.

Anselm Grün führte an, dass es in jedem Einzelnen einen inneren Ort gebe, der heil und ganz sei, wo keine emotionale Verletzung Zugang habe, ein innerer Zufluchtsort. Dieser "Innere Raum" könne als das Reich Gottes in den Menschen betrachtet werden.

Man sei von seinem Umfeld, den Eltern, der Erziehung geprägt, führte er weiter aus. Deshalb sei es wichtig, sich von diesen inneren Bildern der Selbstentwertung oder -überschätzung zu lösen und ursprünglich, authentisch zu werden.

Das mystische Geheimnis Gottes sei auch eine neue Selbsterfahrung für die Frage: Wer bin ich?

Als ethische Deutung wies er auf die Pflicht des Christen hin, den Willen Gottes zu tun. Dies bedeute auch, nach den Geboten zu leben und dieses als Herausforderung zu betrachten. 

Die kirchliche Deutung schließlich meine, dass das Reich Gottes nahe gekommen sei. Dies zeige sich heute in einem neuen Miteinander. Wenn also eine Gemeinschaft, wie in diesen Tagen des IKT, miteinander meditiere, bete und feiere, dann verbinde die Menschen das Reich Gottes untereinander. Wo Menschen zusammen sind, komme es jedoch zu Konflikten. Es gehe darum, das Reich Gottes trotz der Konflikte zu leben. Diesen zentralen Punkt erreiche man über die Vergebung.

Der Benediktinerpater ging auch auf das kommende Pfingstfest ein. Das Wirken Jesu sei mit dem Tod und seiner Auferstehung nicht beendet. Bis zu seiner Wiederkunft sei es Aufgabe der Christen, davon Zeugnis abzulegen und somit aktiv zu sein.

Schließlich bot er allen Anwesenden an, den Vortrag mit einem Ritual, das ein Abendgebet beinhalte, zu beenden. Es waren bewegende Momente, als die rund 12.000 Anwesenden sich zu diesem Ritual erhoben und mit dem Pater eine stille Gebetsgemeinschaft bildeten.